Zurück/back BACK
HOME
Home

Züchtung von Schmetterlingen

Zucht allgemein , Zuchtgeräte , Eizucht , Zucht von Raupen , Futter , Raupenkrankheiten , Zucht in der Haube , Verpuppung , Überwinterung , Treibzucht , Falterschlupf , Zuchtmaterial , Zucht von Bären , Zucht von Schwärmern , Zucht von Spinnern

Überwinterung

Winterliche Kälte und eine Ruheperiode, die die Tiere im Freiland gewohnt sind, müssen wir ihnen ebenso bei der Zucht bieten, wenn auch in veränderter Form.

Überwinterung der Eier:

Schmetterlingseier werden während des Winters in Tablettengläschen, die mit etwas Zellstoff verschlossen sind, in einem gedeckten, möglichst nach Norden gelegenen Raum, in dem annähernd die Außentemperatur herrscht, aufbewahrt (also Gartenlauben, Schuppen, offene Veranden usw.). Anderes erprobtes Verfahren: Eier in kleinen festen Stoffbeuteln mit etwas Holzwolle gefüllt an gleichen Orten oder auch im Freien überwintern lassen.
Im März und April besteht in warmen Perioden die Gefahr, dass aus den Eiern vorzeitig, also bevor das notwendige Futter entwickelt ist, die Räupchen schlüpfen, da in den Gläschen die Abkühlung durch Wind, Regen und andere Einflüsse fehlt. Zweckmäßigerweise werden deshalb ab Anfang März die Eier in einem kühlen Keller oder im Kühlschrank aufbewahrt und erst dann in die warme Außentemperatur gebracht, wenn sich das entsprechende Futter in genügender Menge entwickelt hat.

Überwinterung der Raupen:

Die Wintermonate sind für Raupen stets kritisch. Die Erfolge hängen weitgehend davon ab, dass der Züchter die Bedürfnisse und Gewohnheiten der jeweiligen Art kennt. Raupen, die gesellig in Nestern zwischen Zweigen und Blättern, einzeln eng angeschmiegt oder angesponnen an Ästen überwintern, kann man in einem Beutel an der Futterpflanze belassen. Vorteilhafter ist jedoch, solche Beutel mit Zweigen oder Ästen in Gartenlaube oder Schuppen frei aufzuhängen und, ebenso wie überwinternde Eier, ab März in einem kühlen Keller aufzubewahren, bis im Freiland genügend Futter vorhanden ist. Der Beutel wird gelegentlich bespritzt (Blumenspritze).
Die Raupen vieler Schmetterlingsarten überwintern am Boden in Mull und Streu, unter Laub, Rinde, Steinen oder auch unmittelbar an der Erde. Solche Tiere werden mit Beginn der kalten Witterung in einen Überwinterungskasten gebracht, der im Freien an der Nordseite einer Laube oder eines Schuppens, also stets geschützt vor direkter Sonnenbestrahlung, auf den Boden gestellt oder besser bis zur Hälfte in den Boden versenkt wird. Vorteilhafter ist die Aufstellung am Fuße einer Konifere, deren untere Äste Schutz gewähren. Überdeckung mit einem an den Seiten offenen Satteldach empfehlenswert.

Dieser Kasten muss aus starken Holzwänden bestehen, die gegenseitig verfugt sind. In den Boden wird eine Anzahl Löcher (Durchmesser 2 bis 3 cm) gebohrt, die mit Drahtgaze vernagelt werden. Der Deckel, möglichst zügig aufsetzbar, erhält eines oder mehrere große Drahtgazefenster. Der Kasten wird bis zur Hälfte oder zwei Dritteln mit Blumentopfscherben, erdefreien grünen Moosteilen und trockenem Buchenlaub gefüllt, wobei diese drei Bestandteile getrost vermischt sein können. In den letzten Herbsttagen wird ab und zu etwas Futter, solange dieses vorhanden ist, in den Kasten gelegt. Später gelegentlich Blätter von Brombeeren und Löwenzahn geben. Raupen, deren Entwicklung bis zur Puppe im Frühjahr erfolgt, werden bei Erscheinen der ersten Blätter am Futter aus dem Überwinterungskasten genommen, mit lauwarmem Wasser kräftig besprengt und dann in einer der bewährten Formen gezüchtet. Die Raupen mancher Falterarten überwintern erwachsen, fressen also nicht mehr nach Winterende, sondern schreiten bald zur Verpuppung. Solche Tiere werden, da erfahrungsgemäß der Nachwinter und der beginnende Frühling die meisten Verluste bringen, bereits dann dem Überwinterungskasten entnommen, wenn nach einer längeren, starken Frostperiode von 3 bis 4 Wochen Tauwetter herrscht. Die Tiere verbringen 24 Stunden in einem Gefäß mit Holzwolle in einem ungeheizten Zimmer, werden darauf in einer kleinen Schüssel in Wasser von etwa 25 °C so lange gebadet, bis sie durch schlangelnde oder schlagende Bewegungen heftige Unlust zeigen. Durch das warme Bad löst sich der im Winter im Körper erhärtete Kot. Die Tiere werden nunmehr auf ein Löschpapier gelegt, bis sie abgetrocknet sind, und dann in einen Kasten gebracht, in dem sie sich verpuppen können. Dieser Kasten bleibt im warmen Zimmer. Die Falter schlüpfen meist nach wenigen Wochen.

zurück

Treibzucht

Bei manchen Arten, besonders aus der Familie der Bären, kann die im Freilande übliche Winterruhe durch eine sogenannte Treibzucht bei einem mehr oder weniger großen Teil der Individuen umgangen werden. Voraussetzung ist, dass die Zucht möglichst vom Eistadium an unter möglichst konstanten Wärmeverhältnissen von 28 bis max. 35 °C erfolgt. In einem großen, dicht schließenden Holzkasten, in dem die Raupengläser untergebracht werden können, ist eine solche Temperatur durch 1 bis 2 Glühlampen. Thermometer zur Kontrolle einbauen.
Gleiche Dienste erfüllt ein Holzkasten, in dem sich eine Glühbirne befindet und in den von der Seite her 2 bis 4 Einkochgläser eingeschoben werden, die mit durchlöcherten Korken und Mull als Deckel verschlossen werden. Die Zuchtgläser, die bis zur Hälfte mit Filter- oder Löschpapier und außerdem mit einer dünnen Lage Holzwolle belegt sind, müssen regelmäßig gereinigt werden, da sich durch die Wärme sehr schnell Schimmel und Fäulnis bilden. Stets völlig trockenes Futter reichen, wie bei allen Zuchten üblich. Solange die Pflanzen im Freiland frostfrei und frisch sind, diese verfüttern (meist niedrige Pflanzen, wie Löwenzahn, Nessel, Ampfer u. a.). Im Herbst beginnt die Fütterung mit Kohl (auch mit den Strünken, die oft mit Vorliebe angenommen werden) sowie mit Endivien, mit denen viele Raupen im Winter bis zur Verpuppung ernährt werden können. Sind die Raupen 2/3 bis völlig erwachsen, ist der Überwinterungsdrang meist überwunden. Die Zucht kann dann im warmen Zimmer in einem der üblichen Kästen bis zur Verpuppung erfolgen. Durch aufeinanderfolgende Treibzuchten wird die Vitalität der Tiere sehr schnell gemindert.

Das Schlüpfen der Falter

Bei dem der Puppe entschlüpfenden Schmetterling sind die Flügel kleine, weiche Stummel, die erst durch Einpumpen von Blut sich voll entfalten müssen, um anschließend zu erhärten. Dieser wichtige Vorgang verlangt, dass sich der Falter entweder an einer senkrechten Wand oder, völlig herabhängend, am Deckel sitzend entwickeln kann.
Aufgeraute Wände und Deckel erleichtern dem Tiere das Hochsteigen und insbesondere das Festklammern. Während der Entwicklung darf der Falter keinesfalls gestört werden. Abgesehen von einigen wenigen Arten, die sehr schnell unruhig werden und bald mit dem Flug beginnen, darf der Falter frühestens zwei Stunden nach dem Verlassen der Puppe ausgesetzt oder zum präparieren vorbereitet werden.
Nachtschmetterlinge bleiben meist ruhig sitzen, wenn durch das Deckelfenster helles Licht in den Puppenkasten fällt. Durch Abdecken des Fensters mit einem Pappdeckel lässt sich bei Tagfaltern die gleiche Wirkung erzielen.

zurück

Erlangung des Zuchtmaterials

Die Suche von Raupen, Puppen und Eiern ist meist zuwenig ertragreich, sie bringt dem Züchter außerdem vorwiegend die häufigen Arten. Deswegen sollte er weitestgehend versuchen, gefundene oder gefangene Falterweibchen zur Eiablage zu bewegen. Tagfalter legen in der Gefangenschaft selten ihre Eier ab, und eine Ablage kann nur gelingen in größeren Hauben, die über die eingetopfte Futterpflanze gestülpt sind und so stundenweise in die Sonne gestellt werden.

Bei den meisten Schwärmer-, Spinner-, Eulenfalter- und Spannerarten ist eine Eiablage leichter zu erzielen. Der Züchter untersucht Tiere, die er im Freilande bei irgendeinem Fangverfahren erbeutet hat und ziehen will, auf ihre Geschlechtszugehörigkeit und sperrt die Weibchen, die meist begattet sind, in Gläser oder Plastedosen, deren Boden, Wände und Deckel mit rauem Papier ausgelegt sind.

Beigabe von einigen Teilen der Futterpflanze stets erwünscht. Gläser dunkel und kühl stellen. Viele Eulenweibchen müssen regelmäßig und reichlich gefüttert werden. Dazu einen kleinen mit Wasser vollgesogenen Pinsel oder Wattebausch vorhalten, in den die Tiere schnell ihren Rüssel versenken. Sehr geringe Menge Zucker kann im Wasser gelöst sein. Die Eiablage ist oft in wenigen Stunden beendet, kann jedoch auch Wochen dauern.
Schlüpfen in der Gefangenschaft gleichzeitig (möglichst am gleichen Tage) Männchen und Weibchen von Nachfaltern, so ist oft eine Kopula und anschließende Eiablage erreichbar. Die Tiere werden in ein wiederum allseitig mit rauem Papier ausgelegtes Gefäß gesperrt. Die Paarung vollzieht sich meistens in der Nacht und dauert bei manchen Arten 1/4 bis 2 Stunden, bei anderen bis zu 2 Tagen. Auch wenn eine Kopula nicht beobachtet wurde, kann die Begattung erfolgt sein. Vorwiegend bei Spinnern und Schwärmern lassen sich die Männchen durch ein im Anfluggerät im Freien ausgesetztes Weibchen anlocken. Dadurch ist in vielen Fällen selbst bei nur einem durch Zucht erzielten Weibchen eine Nachzucht möglich.

Anfluggerät

Über ein Holzrahmengestell von rund 20 x 20 cm Bodenfläche und 40 cm Höhe wird über alle Seiten, außer dem Unterteil, weicher Tüll oder Mull gespannt. Auf der oberen Wand wird eine etwa 15 cm lange und 3 bis 4 cm breite Reuse vorgesehen, von der aus der Stoff als breiter, offener, sich nach innen verengender Trichter in das Gerät hängt. Das Weibchen wird an eine der Wände gesetzt, das Anfluggerät auf ein Brett gestellt (festbinden), und im Freien an einem geeigneten Platze untergebracht. Am kommenden Morgen wird man oft eine Paarung vorfinden, da anfliegende Männchen durch die Reuse leicht ins Innere zu dem Weibchen gelangen. Gleichen Erfolg verspricht das Verfahren des "Ausbindens" des Weibchens ( bitte nur bei nicht vorhandenen Anfluggerät, Bsp. bei Reisen, anwenden ), das allerdings nur bei größeren, robusten Tieren anwendbar ist. Dem Falter wird zwischen Vorder- und Hinterflügel und dem 2. und 3. Beinpaar ein Wollfaden fest um den Leib gebunden und unter der Brust verknotet. Das 10 bis 15cm lange Ende des Fadens wird mit einer starken Nadel an Baum, Planke oder Zaun gesteckt. Aussetzen am späten Abend, Nachschau sehr zeitig am Morgen, bevor Meisen und Baumläufer mit ihrem Tagewerk beginnen. Nicht geeignet für sehr lebhafte Arten. Schlüpfen zufällig an Abenden, an denen der Züchter Lichtfang betreibt, Weibchen aus seinen Zuchten, so kann er anfliegende Männchen mit diesen in Pappschachteln oder allseitig mit rauem Papier ausgelegte mittelgroße Gläser (l bis 3 Liter) sperren.

zurück

Links zu Anbietern von Entomologenbedarf finden Sie Hier

HOME
Besucher